Lokales
Ein Bibliotheksbuch kehrt Jahrzehnte zu spät zurück – mit einem Farn darin
Beim Entrümpeln eines Dachbodens tauchte ein überfälliger Roman auf und wurde mit einem Entschuldigungsschreiben zurückgebracht – zwischen zwei Kapiteln ein perfekt erhaltenes Farnblatt.
Es tauchte in einem Karton ganz hinten auf einem Dachboden auf, unter einem Stapel alter Zeitschriften: ein gebundener Roman mit verblichenem Einband, der Bibliotheksstempel auf der Innenseite noch gestochen scharf. Das Rückgabedatum lag lange vor der Geburt der Person, die ihn fand.
Statt es stillschweigend zu behalten, brachte die Finderin das Buch zurück – zusammen mit einem handgeschriebenen Zettel, auf dem sie sich im Namen der Person entschuldigte, die es vor all den Jahren ausgeliehen hatte.
Die Bibliotheksmitarbeiter rechneten mit einer Kuriosität. Womit sie nicht rechneten, war das, was sie beim Aufschlagen fanden: In der Mitte des Buches, flach gepresst zwischen zwei Kapiteln, lag ein Farnwedel – trocken, braungrün und vollständig erhalten, jedes winzige Fiederblättchen noch an seinem Platz.
Ein Lesezeichen aus einer anderen Zeit
Niemand weiß, wer ihn gepresst hat oder warum. Vielleicht ein Waldspaziergang und jemand, der etwas suchte, um die Seite zu markieren. Vielleicht ein Andenken, das wiedergefunden werden sollte und es einfach nie wurde. Die markierte Seite liefert keinen offensichtlichen Hinweis – was das Rätsel, wie die Mitarbeiter zugeben, nur noch spannender macht.
Eine Mahngebühr wurde nicht erhoben. Stattdessen liegen Buch und Farn nun nebeneinander in einer Vitrine an der Theke, daneben ein kleines Kärtchen, das Besucher einlädt, die Geschichte dahinter zu erraten. Die bisherigen Vermutungen reichen vom ersten Date bis zum Naturkundeprojekt in der Schule.
Nach seiner langen Abwesenheit ist der Roman wieder im Katalog. Vorerst bleibt er aber genau dort, wo er ist.